Narrenattribute


Die Narrenattribute finden in der Schwäbisch-Alemannischen Fasnet großen Einsatz und erfreuen sich auch großer Beliebtheit. Fast jeder Narr und auch jede Hexe trägt Utensilien mit sich, die eine große Symbolik verkörpern. Zusätzlich findet sich auch am Häs viele weitere Details, die bis ins Mittelalter zurück zu führen sind. Jedes der folgenden Attribute symbolisiert eine der im christlichen Sinn verstandene Sünde. Dazu gehören unter anderem Völlerei, Eitelkeit, Egoismus, Falschheit, Lieblosigkeit, sexuelle Begierde oder Lautheit.

Auf dieser Seite versuche ich euch, die Hintergründe der einzelnen Utensilien der Narren näher zu bringen.

Die Schellen, Glocken, Rollen

Wohl am meisten in Gebrauch bei sämtlichen Narrenfiguren finden sich die Schellen oder auch Glocken oder Rollen genannt. Die Narrenschelle geht hier vermutlich auf das Pauluswort "Wenn ich mit Menschen- und Engelszungen redete, hätte aber die Liebe nicht, so wäre ich wie ein tönendes Erz oder eine klingende Schelle" aus der Bibel (1. Kor. 13,1) zurück. Dies bedeutet letztendlich, dass mein Lob und meine Rede ohne Nächstenliebe nur Geschwätz ist. Da der Narr die Eigenliebe verfolgt, auf die ich unter dem Punkt Narrenspiegel näher eingehe, und somit keine Nächstenliebe kennt, wurden diese ab dem 15. Jahrhundert üppig mit Schellen ausgestattet.

Heute sind die Narren in verschiedenen Variationen damit ausgestattet. Viele haben hier Schellriemen aus Leder über die Schultern hängen, die bis zu 30 kg wiegen können und meist über Brust und Rücken gekreuzt getragen werden. Einige andere haben auch viele kleine Schellen am Häs befestigt.

Fuchsschwanz
Fuchsschwanz
Pritsche, Halskrause, Glocken
Pritsche, Halskrause, Glocken
Streckschere, Glocken, Spiegel
Streckschere, Glocken, Spiegel
Saubloder, Glocken
Saubloder, Glocken

Weitere Lärminstrumente wie Karbatschen, Peitschen, Rätschen oder Klepperle

Wie auch schon die Schellen gehen alle Lärminstrumente auf die gleiche Bibelstelle zurück und haben somit die gleiche Symbolik der disharmonischen bösen Narrenwelt. Die Karbatsche ist eine bis zu 4,5 Meter lange aus Hanf geflochtene kurzstielige Peitsche. Der Begriff kommt entweder aus dem polnischen karbacz, was lederne Hetzpeitsche heißt oder von dem türkischen Wort kırbaç, was Peitsche heißt. Am Ende der Karbatsche ist ein eingeflochtenes Nylonbändchen angebracht, dass bei bei jedem Richtungswechsel die Schallmauer durchbricht und damit den typischen Peitschenknall erzeugt. Die Peitsche funktioniert mit dem selben Prinzip, nur dass diese einen deutlich längeren Stiel und gesamt kürzer ist.

 

Als nächstes kommt die Rätsche. Auch diese ist bei vielen Narren ein Gegenstand, der gerne mitgeführt wird und oft im Takt der Musik genutzt wird. Die Ratsche besteht aus einem Rahmen aus Birkenholz, an dessen äußeren Ende dünne Fichtenholzblätter befestigt sind. Durch das schwingen werden die dünnen Blätter über ein Zahnrad bewegt und dadurch wird von Zahn zu Zahn ein klapperndes Geräusch erzeugt. Sie trat erstmals im 18. Jahrhundert in verschiedenen Mitteleuropäischen Gegenden in Erscheinung und wurde zu unterschiedlichen Zwecken genutzt. So nutze man die Ratsche vor allem in katholischen Gegenden vom Gründonnerstag bis zur Osternacht, an den Tagen die Kirchenglocken nicht läuten, um diese zu ersetzen und um zum Gottesdienst zu rufen. Auch als Alarmsignal nutzen Nachtwächter in Städten dieses Werkzeug oder auch im Weinbau, um gefräßige Vögel zu vertreiben.

 

Die Klepperle sind zwei aus Hartholz hergestellte kleine Holzbrettchen, die meistens zwischen 11 und 15 Zentimeter lang sind und eine Mulde eingearbeitet wurde, damit sie besser in den Fingern liegen. Sie sind vor allem aus den vier Fasnetshochburgen Gengenbach, Haslach, Radolfzell und Waldkirch bekannt und werden wie die spanischen Kastagnetten gegeneinander geschlagen. Bereits als Kind lernt man in den Städten, wie diese zu benutzen sind und es gibt an den Fasnetstagen auch Wettbewerbe für Kinder. Sie werden vor allem zu Liedern, zum Narrenmarsch oder als Untermalung bei Narrensprüchen genutzt.

Die Narrenwurst

Die Narrenwurst ist ein 40-50 Zentimeter langer Lederschlauch, der mit Rosshaar ausgestopft wird. Diese symbolisiert direkt zwei der Sünden der Narren und steht für die fleischlichen Lüste im Bezug auf die Völlerei, also übermäßigem essen und trinken, sowie der sexuellen Begierde als Phallus, der als Symbol für Kraft und Fruchtbarkeit steht. Heute nutzt der Narr diesen Gegenstand, um Leuten am Straßenrand oder auch bei der Straßenfasnet aufzuzeigen, dass er ihn ausgewählt hat um entweder dieser Person eine Gabe in Form von Brezeln, Bonbons, Orangen,... zu geben oder ihm etwas aufsagen möchte. Auch zum necken kann der Narr die Narrenwurst leicht auf die Schulter der Person schlagen.

Zepter, Glocken
Zepter, Glocken
Marotte, Ziertuch
Marotte, Ziertuch
Fuchsschwanz, Glocken, Narrenwurst, Ziertuch, Schnupfdose, Spiegel
Fuchsschwanz, Glocken, Narrenwurst, Ziertuch, Schnupfdose, Spiegel
Narrenwurst, Glocken, Ziertuch
Narrenwurst, Glocken, Ziertuch

Saubloder (Schweinsblase)

Die Saubloder ist ein Schlaginstrument, welche aus der Harnblase eines Schweines besteht, welche ausgekocht und mit Luft gefüllt wird. Am Ende wird sie an einem Holzstecken befestigt. Damit werden Zuschauer am Straßenrand geschlagen, ohne das es besonders weh tut. Das necken der Leute gehört auf alle Fälle immer zur Fasnet dazu. Die Herkunft dieses Brauchs geht ebenfalls weit zurück. Da in der Zeit vor der Fastenzeit sehr viel geschlachtet wurde, bevor alle tierischen Produkte verboten sind, gab es unmengen an Schweinsblasen als Abfallprodukt. Daher bot es sich an diese noch zu verwenden. Da sie tierischen Ursprungs ist, steht sie auch für eine der Sünden der Narren, der Völlerei, also dem übermäßigen Essen und Trinken. Zusätzlich steht sie auch für die Vergänglichkeit auf Erden. Wie auch das Leben, hat die Fasnet ein Ende, nämlich am Aschermittwoch. Danach kehrt wieder der geregelte Alltag ein, weshalb die Saubloder auch als Abbild des Narren selbst steht. Das lateinische Wort "follis", was leerer Sack bedeutet, ist der Ursprung des französischen Wortes "fou" oder auch dem englischen "fool", welche beide Narr bedeuten. Zusätzlich ist der Schlag mit der Saubloder ein Akt der Fruchtbarmachung, welches die nächste Sünde der sexuellen Begierde vereint.

Der Fuchsschwanz

Seit dem 15. Jahrhundert ist der Fuchsschwanz als Zeichen für den Narr bekannt. Der Fuchs und später nur noch sein Schwanz waren ein Sinnbild der Falschheit, Verschlagenheit und Boshaftigkeit, womit wir auch wieder bei den typischen Sünden der Narren sind. Im Mittelalter wurden die Leute gemäß ihres Standes gekleidet oder mit Wappen und Symbolen gekennzeichnet. So wusste jeder, wer z.B. Gerber, Bäcker oder Schmid war. Der Fuchsschwanz wurde hier für alle Menschen am Rand der Gesellschaft genutzt. Eben genau diese, die man damals als untergeordnet angesehen hat. Dazu gehörten neben den Narren auch körperlich oder geistig eingeschränkte, andersgläubige oder auch Freigeister. Also alle, die nicht nach dem Ebenbild Gottes handelten.

Heute ist der Fuchsschwanz in der Fasnet kaum noch wegzudenken und wird entweder an einem Stab in der Hand oder auch oft an der Gugel (Narrenkappe) befestigt.

Der Spiegel

Das wohl am meisten genutzte Narrenattribut ist der Spiegel. Egal ob der Narr einen Spiegel in der Hand hat, kleinere Spiegel an der Gugel befestigt sind oder vor allem in Österreich verbreitet ein üppiger Kopfschmuck mit Spiegeln getragen wird, die Bedeutung ist bei allen gleich und hat sich im Laufe der Zeit auch etwas gewandelt, bis zur heutigen Bedeutung.

Bereits im 15. Jahrhundert wurde der Spiegel als Weiterentwicklung der Marotte, welche im nächsten Absatz erklärt wird, gehandhabt und steht für die Sünden der Eitelkeit und des Egoismus bzw. der Selbstverliebtheit. Der Narr betrachtete sich nach dieser Überlieferung gerne selbst im Spiegel, was im Mittelalter als Symbol für Menschen galt, die verblendet und Blind für Gott waren. Hier erkennt man wieder die Nähe zum Tod und das leugnen von Gott, dass schon immer zum Ruf des Narren gehörte.

Im laufe der Zeit änderte sich die Bedeutung vom negativen zum positiven. Nun schaut sich der Narr nicht mehr selbst im Spiegel an, sondern hält den Spiegel der Welt vor, damit die Menschen ihre Dummheit und Unzulänglichkeit erkennen. Aus dieser Bedeutung hat sich auch in der jüngeren Zeit der Narrenspiegel als Name für Narrenzeitungen durchgesetzt. Auch dort werden den Menschen humorvoll Missgeschicke oder menschliche Schwächen teilweise mit Karikaturen vorgesetzt, als würden sie in einen Spiegel schauen.

Hahnenkamm, Narrenwurst, Ziertuch, Glocken
Hahnenkamm, Narrenwurst, Ziertuch, Glocken
Säbel, Glocken, Ziertuch
Säbel, Glocken, Ziertuch
Ratsche
Ratsche

Die Marotte

Die Marotte ist ein Zepter, an dessen Ende eine kleine Puppe angebracht ist, welche wie der Narr, der sie in Händen hält, aussieht und praktisch sein Ebenbild ist. Sie verkörpert die Selbstverliebtheit und fehlende Nähe zu Gott und zur Nächstenliebe des Narren. Sie wird heute leider nur noch sehr selten genutzt und meist nur noch von Zunfträten oder auch Einzelfiguren mit sich geführt. 

Der Ursprung kommt aus dem 16. Jahrhundert und der Name Marotte bildete sich aus dem französischen Namen Marie, welcher mit einer Nachsilbe versehen wurde. Ab dem 17. Jahrhundert war dann der Name Marotte in Frankreich immer häufiger als weiblicher Vorname genutzt. Auch die Bedeutung hat sich seit dem 15. Jahrhundert ständig gewandelt. Anfangs bedeutete Marotte noch Marienbild oder Heiligenfigur woraus dann Puppe oder Marionette wurde. Im 16. Jahrhundert bezeichnete es dann eine Narrenkappe und im folgenden Jahrhundert dann die Narrheit oder einen närrischen Einfall.

Die Marotte ist die Weiterentwicklung des Zepters, welcher meist ein gut geschmückten oder mit Glocken versehener Stab ist.

Die Schnabelschuhe

Als Verulkung der Geistlichkeit wurden von Narren gerne Schnabelschuhe getragen. Dabei macht sich der Narr der Eitelkeit, eine der Sünden, schuldig. Während Mönche aufgrund der Demut und der Askese oft Barfuß unterwegs waren, schmückten sich die Narren mit den Schnabelschuhen, die meist teurer und mit Samt oder Pelz besetzt waren. Zusätzlich benötigte man für die zusätzlich langen Spitzen mehr Material. 

 

Der Schnabelschuh selbst war allerdings davor auch schon eine Modeerscheinung. So wurde dieser Schuh vor allem zwischen 1370 und 1400 sehr populär und von vielen getragen. Auch im 15. Jahrhundert wurde dieser Schuh ein zweites mal für wenige Jahrzehnte beliebt, so dass es sogar zu Regulierungen gekommen ist.

Schnabelschuhe, Spiegel, Glocken
Schnabelschuhe, Spiegel, Glocken

Das Ziertuch / Die Halskrause

Viele Narren, vor allem die Narren der Region Baar, tragen große überdimensionale Ziertücher oder auch Schnupftücher genannt. Dies kommt vor allem aus der Zeit des Barocks und diente als Standesnachweis. Laut einer Kleiderordnung aus dem Jahre 1595 wurde das Tragen eines Ziertuches den unteren Ständen untersagt. Diese Tücher wurden üppig bestickt mit Monogrammen, ganzen Namen oder Texten und sogar mit ganzen Abbildungen. Auch die Halskrause hat sich im laufe der Zeit immer weiter entwickelt und wurde auch immer größer. Diese wurde dann auf die Narren übertragen und steht zusammen mit dem Ziertuch auch für die Putzsucht, welche sie nach außen zeigen möchten.

Durch die Halskrause sah es so aus, als ob der Kopf wie eine Krone abgetrennt vom Körper auf diesem saß. Dies symbolisiert die volle Kontrolle über den Sünden anfälligen Körper zu besitzen.

Pritsche, Hahnenkamm, Glocken
Pritsche, Hahnenkamm, Glocken
Federwisch, Glocken, Fuchsschwanz
Federwisch, Glocken, Fuchsschwanz
Peitsche, Fuchsschwanz, Spiegel
Peitsche, Fuchsschwanz, Spiegel

Die Eselsohrenkappe / Der Hahnenkamm

Ab der 2. Hälfte des 13. Jahrhunderts bildeten sich die Eselsohren als neues Attribut der Narren heraus. Der Esel selbst war zu dieser Zeit ein negatives Tier und stand für die Trägheit und war dumm und unwissend, weshalb das Merkmal zu den Gottesleugnern gehörte. Aufgrund dieser Eigenschaften, bekam der Esel, laut mittelalterlichen Auffassungen, die langen Ohren des Teufels. Da dem Narr genau diese Nähe zugesprochen wurde, fanden die Eselsohren spätestens im 15. Jahrhundert Eingang in die fasnachtlichen Bräuche. Heute finden sich noch in wenigen Narrenzünften vor allem als Einzelfiguren ganze Eselsfiguren, welche auf diese Tradition aufgebaut wurden. Auch der Butzesel in Villingen hat hier seinen Ursprung.

 

Nach den Eselsohren, die im laufe der Zeit und spätestens im 19. Jahrhundert vollständig verschwanden, kam bereits im 15. Jahrhundert der Hahnenkamm dazu. Der Hahn stand schon immer für die sexuelle Begierde und damit der fleischlichen Lüste, welche eine typische Sünde der Narren war. Heute findet man diesen bei sehr vielen Narren, auch wenn die manchmal nicht direkt als solche zu erkennen sind.

Die Pritsche / Der Säbel

Die Pritsche und der Säbel gehören zu den Waffen des Narren. Die Pritsche ist ein aus dünnen Holzstäben oder Karton erstelltes Schlag- und Züchtigungsinstrument. Durch das Aufschlagen werden diese Holzplättchen oder der Karton zusammengedrückt und die entweichende Luft erzeugt einen knallartigen Ton. Seit dem 16. Jahrhundert war es ein Werkzeug um in der wilden Narrenschar die Ordnung zu halten und von Ordnungshütern (Narrenpolizist) oder vom Pritschenmeister genutzt. Heute wird dieses Utensil gerne zum necken der Zuschauer genutzt.

 

Der Säbel gilt als Symbol des Rügerechts und wird heute immer seltener von Narren getragen. Meistens findet man ihn noch bei Narrenpolizisten. Das Rügerecht ist ein wichtiger Bestandteil der Fasnet und prägt sie von Beginn an. Egal ob in Gerichten wie in Stockach oder Möhringen oder durch das Aufsagen mit einem Narrenbuch, die Fasnet war die Zeit, bei der man die nächsten Mitmenschen auf die Fehler des vergangenen Jahres hinweisen konnte. Damit man dabei unbekannt blieb, hat man sich komplett verkleidet und ist eher gejuckt oder gesprungen, was heute bei vielen Zünften in den Umzügen noch gemacht wird.

Der Federwisch

Der Federwisch wird von einigen Narren mitgeführt. Meistens ist es ein langstieliger mit Federn bestückter Staubwedel, welcher in vielen Zünften beim Abstauben am Dreikönigstag zum Einsatz kommt. Dabei werden die Larven (Masken, Schemen) mit dem Federwisch von dem Staub befreit, der sich im laufe des Jahres bei der Lagerung abgesetzt hat. Damit wird traditionell in vielen Orten die Fasnet eingeläutet. Narren, die diesen auch bei Umzügen dabei haben, nutzen den Federwisch zum necken der Zuschauer indem sie damit im Gesicht herum wedeln.


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