International Teil 1


Die 5. Jahreszeit wird überall auf der Welt in christlich geprägten Ländern gefeiert. Der Art und Weise sind hingegen keine Grenzen gesetzt, aber bei den meisten geht es immer wieder um das gleiche. Das letzte mal zusammen feiern, bevor die strenge Fastenzeit beginnt. Von den Hochburgen wie Rio de Janeiro oder auch Venedig hat sicherlich schon jeder etwas gehört, aber was gibt es sonst noch. In diesem ersten Teil einer kleinen Serie möchte ich erst einmal in Europa mit den ersten Bräuchen beginnen und möchte dabei auf die jeweils bekanntesten oder ältesten Bräuche in verschiedenen Ländern näher eingehen.

 

In diesem Teil:

Spanien - Sardinenbegräbnis in Puerto de la Cruz auf Teneriffa

Italien - Orangenschlacht in Ivrea

Frankreich - Blütenschlacht und Beleuchteter Karnevalsumzug in Nizza

Belgien - Carnaval de Binche in Binche

 

Hinweis: Da ich selbst keine Bilder dieser Bräuche habe, habe ich dafür die Bilder von den Facebook-Seiten verlinkt bzw. eingebettet mit einem Bezug zum Originalbeitrag. Die Eigentümer der Bilder bleiben dadurch erhalten und das Foto wurde nicht neu hochgeladen. Falls das Originalfoto gelöscht wird, kann es auch hier nicht mehr angezeigt werden.


Spanien - Sardinenbegräbnis in Puerto de la Cruz auf Teneriffa

Überall in Spanien ist der folgende Brauch bekannt und unter anderem wird dieser Brauch auf dem Festland in Madrid oder auch in Murcia, auf den Balearen unter anderem in Palma, Pòrtol, Inca und Lloseta sowie auf den Kanaren auf der Insel Teneriffa in der Stadt Puerto de la Cruz, wo ich hier auch näher eingehen möchte. Es geht um das Sardinenbegräbnis oder auch "Entierro de la Sardina". Ähnlich wie bei uns die Fasnetsverbrennung wird auch dieser Brauch als das Ende der 5. Jahreszeit gefeiert. Am Aschermittwoch "Miércoles de Ceniza" findet ein Trauerzug mit einer übergroßen, aus Pappmaché hergestellten Sardine durch die Straßen. Mit dabei die Trauergemeinde. Mit eleganten Schuhen und zarten Witwenschleiern sind immer mehr trauernde und schluchzende Tauergestalten, welche mit einem schwarzen Kinderwagen, beladen mit ausreichend Alkohol, auf den Gassen unterwegs sind. Dabei finden sich unter den Witwen auch viele Männer, die wie bei uns auch, oft die Rollen der Frauen ebenso auskleiden.


Am Ende des Trauerzugs wird dann auf einem großen zentralen Platz die Sardine von Priestern mit reichlichen Spritzern Alkohol gesegnet und danach verbrannt. Danach wird der restliche Abend bis zum Beginn der Fastenzeit um 0:00 Uhr noch ein letztes mal feierlich beendet. Die Stadt Puerto de la Cruz ist aber nochmal etwas besonders. Auch wenn so im gesamten spanischen Raum der Karneval beendet wird, geht es in dieser Stadt jetzt erst richtig los. Vergleichbar wie bei uns die Burefasnet oder auch bekannt aus Basel wird in dieser Stadt eine Woche später gefeiert und am darauf folgenden Samstag findet hier erst traditionell der große Karnevalsumzug "el Gran Coso Apoteosis del Carnaval" statt.


Woher also stammt dieser Brauch des Verbrennens einer großen Sardine? Wie so vieles in der Fasnet ist dies nicht eindeutig geklärt und es gibt mehrere Möglichkeiten. So soll Mitte des 19. Jahrhunderts dieser Brauch in Madrid entstanden sein. Die Bevölkerung fuhr raus aufs Land um etwas zu finden, was sie symbolisch zu Grabe tragen konnten. Da Fleisch und Fisch in der Fastenzeit verboten war, nahm man zuerst die Rippen eines Schweins. Diese werden in Spanien "cerdina" genannt. Im laufe der Zeit und durch mündliche Überlieferungen wurde aus dem Wort "cerdina" dann "sardina" und damit der Brauch geschaffen.

 

Eine weitere mögliche Herkunft kommt schon aus dem 18. Jahrhundert, als König Karl III. die Fastenzeit der Bevölkerung noch schmackhaft machen musste und organisierte daher ein großes Fest, wofür er einen großen Berg Sardinen nach Madrid liefern ließ. Leider hat er die Rechnung ohne dem Wetter gemacht und es wurde an dem Tag, auch für Spanien untypisch zu dieser Zeit, sehr heiß und die Sardinen hinterließen einen bestialischen Gestank. Der Appetit auf Fisch ist den Bewohnern dann vergangen und es musste schnell eine Lösung her. So kam man auf die Idee, die Sardinen vor der Stadt zu begraben um sich vor dem Gestank zu befreien. So wird bis heute weiterhin an diesen Tag gedacht und die Feierlichkeiten haben über die Jahrhunderte überlebt.

Aber egal woher der Brauch auch kommt, ist es trotzdem eine besondere Art sich von der 5. Jahreszeit zu verabschieden.


Italien - Orangenschlacht in Ivrea

In der 25.000 Einwohner Stadt Ivrea im Norden Italiens bei Turin wird der Karneval ganz besonders gefeiert. Ähnlich wie bei uns beginnt auch dort die 5. Jahreszeit mit dem 6. Januar "Epifania" und endet mit dem Aschermittwoch "Mercoledì delle ceneri". Genauso finden an den Sonntagen vor der Hauptfasnet mehrere Veranstaltungen statt, bis es dann am dem Schmotzigen Donnerstag "Giovedì Grasso" richtig los geht. Was nun genau diese Stadt aber besonders macht ist der Rosenmontag "Lunedì di Carnevale", der hier ganz besonders gefeiert wird. Statt einem großen Umzug oder Festspielen wird hier eine Schlacht nachgestellt.

 

Die Herkunft dieses Brauchs führt uns in das 12. Jahrhundert zurück, als der Statthalter das Recht der ersten Nacht mit der jungvermählten Frau "jus primis noctis" nutze. Violetta ist aus diesem Grund in ihrer Hochzeitsnacht zur Burg gegangen und als es los ging, holte sie einen Dolch unter ihrem Kleid hervor und durchschnitt die Kehle des Tyrannen. Den abgetrennten Kopf hob sie an der Burgmauer empor als Zeichen für den beginnenden Widerstand. Die Bewohner der Stadt vertrieben mit essbaren Wurfgeschossen die Grausamen Feudalherren.


Und nun zu diesem besonderen Fest. Es handelt sich dabei um die Orangenschlacht "Battaglia delle Arance" bei der sich mehrere Teams gegenseitig mit reifen Orangen bewerfen. Hier nehmen schön geschmückte, von Pferden gezogene Wagen teil, welche die Soldaten des Herrschers symbolisieren und die Orangenwerfer in mehreren Teams, welche das aufständische Volk darstellen. Bei diesem Spektakel sollen bis zu 500.000 Tonnen Orangen verbraucht werden, die überwiegend aus Sizilien und Kalabrien geliefert werden. In der gesamten Stadt findet diese Schlacht an mehreren öffentlichen Plätzen statt und am Ende des Tages wird von einer Jury der Sieger der Schlacht bekannt gegeben.

 

Es gibt dabei nur wenige Regeln. Es darf zum Beispiel jeder Orangen werfen, der sich einem Team angeschlossen hat, dazu sollte man sein Gesicht am besten durch den Arm schützen. Auch Rutschfestes Schuhwerk ist sehr wichtig und man sollte am besten nicht unter die Hufen oder Räder gelangen. Für die bis zu 100.000 Zuschauer gibt es Sicherheitsnetze, hinter denen sie möglichst sicher sind. Trotzdem gibt es jedes Jahr viele verletzte unter den Teilnehmern.



Frankreich - Blütenschlacht und Beleuchteter Karnevalsumzug in Nizza

Eine der größten Karnevalshochburgen auf der Welt ist auf alle Fälle Nizza an der CÔTE D'AZUR und gehört zumindest in die Top 5. Über 2 Wochen hinweg werden mehrmals die beiden folgenden Umzüge veranstaltet. Was es nur in Nizza gibt, ist die große Blütenschlacht "Bataille de Fleurs" die immer um 14:30 Uhr beginnt und dazu gibt es den beleuchteten Karnevalsumzug "Corso Carnavalesque Illuminé" der ab 21:00 Uhr Nizza hell erstrahlen lässt.


Während die erste Erwähnung im Jahr 1294 durch Charles d'Anjou (Graf von Provence) stattfand, begann die Geschichte des modernen Karnevals im Jahr 1873, als das Komitee der Festlichkeiten "Comité des fêtes" gegründet wurde. Erstmals wurden nun Paraden mit Festwagen, Magiern und Artisten im Herzen der Stadt vor großen Tribünen ausgerichtet und immer bessere Strukturen wurden geschaffen.

Die Blütenschlacht oder auch Blumenkorso wurde 1876 erfunden und soll die regionalen Blumenproduzenten ehren. Auch heute noch kommen 90% der genutzten Blumen aus der Region Nizza. Auf aufwendig geschmückten Wagen sitzen die Blumenköniginnen und werfen unter anderem Rosen, Nelken oder Mimosen in die Mengen. Gesamt sollen es 80.000 - 100.000 Blumen sein, die hier verbraucht werden.


Ab 21:00 Uhr geht dann der beleuchtete Karnevalsumzug los. Ein sehr Stimmungsvoller Umzug bei Nacht mit vielen Animationen und schönen beleuchteten Festwagen zu einem jährlich wechselnden Thema. Jährlich zieht es bis zu 400.000 Besucher zu diesen besonderen Umzügen, weshalb Nizza nach Rio de Janeiro, Venedig und New Orleans sich auf Platz 4 befindet.


Belgien - Carnaval de Binche in Binche

Auch in Belgien wird die 5. Jahreszeit gefeiert und die traditionsreichste und auch eine der ältesten Karnevalstraditionen finden sich im wallonischen Binche. Hier wird seit 1395 die Tradition gepflegt und die Ausführungen sind unserer schwäbisch-alemannischen Fasnet sehr ähnlich. Aufgrund dieser alten gepflegten Tradition wurde der Carnaval de Binche im Jahr 2003 von der UNESCO als Meisterwerk des immateriellen Kulturerbes der Menschheit anerkannt und 2008 in die Liste aufgenommen. Zum Vergleich hat es die Schwäbisch-Alemannische Fasnet bisher im Dezember 2014 in das Bundesweite Verzeichnis als immaterielles Kulturerbe geschafft und strebt die Aufnahme in die Internationale Liste noch an.


Die traditionsreiche Figur des Gille ist wohl auch die Hauptfigur in Binche. Die Figur selbst darf nur am Fetten Dienstag "Mardi Gras" oder bei uns als Fasnetsdienstag bekannt, getragen werden und dann findet man rund 1.000 Gilles in den Straßen. Dabei ist es Verboten, die Stadt zu verlassen. Das Gille-Kostüm besteht aus einer Tunika und einer Hose aus Jute. Diese sind mit 150 Mustern wie Sterne, Löwen oder Kronen aus feinem schwarzen Filzstoff verziert. Dazu trägt er einen weißen Kragen mit weißen Spitzen oder goldenen Fransen über die Schultern. Auf dem Kopf trägt er eine Baumwollmütze mit einer Art Taschentuch befestigt, wodurch alle Haare verdeckt werden. Das Oberteil, also die Tunika, wird vorne und hinten mit Stroh ausgestopft. Solche Bräuche finden wir auch bei uns zum Beispiel in Villingen. Um den Bauch trägt er einen rot-gelben Wollgürtel mit Kupferglocken. Holzschuhe runden das Kostüm ab.

Der Gille ist ein reines Männerkostüm und er darf nie ohne einem Trommler auf den Straßen unterwegs sein. Am Morgen trägt er seine berühmte Maske, die nicht wie bei uns aus Lindenholz, sondern aus Wachs mit grünen Gläsern besteht. Diese Maske ist auch geschützt und darf laut dem Europäischen Patentamt seit 1985 nur in Binche getragen und verkauft werden. Am Nachmittag wird zur Prozession ein großer Hut mit ca. 300 Straußenfedern getragen. Das gesamte Kostüm, der Hut sowie die Maske sind nicht Eigentum der Träger selbst, sondern wird Jahr für Jahr von verantwortlichen Kostümverleihern in der Stadt ausgeliehen. Neben dem Gille gibt es noch weitere Gruppen wie die Harlekins, oder die Pierrots, welche ebenfalls an dem Treiben in der Stadt beteiligt sind. Um 21:00 Uhr wird auch hier dann der Karneval mit einem Feuerwerk beendet und die Gesellschaften feiern noch die ganze Nacht bis im Morgengrauen die Sonne aufgeht.



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