Der Verlauf der Fasnet


Die Schwäbisch-Alemannische Fasnet ist ein regionales Orts bezogenes Brauchtum. Trotzdem gibt es hier auch überregional bestimmte typische Tage, welche die meisten gemeinsam haben. Ausnahmen bestätigen natürlich die Regel. Hier kann ich natürlich nicht auf jeden einzelnen Brauch eingehen. Falls sich eure örtliche Fasnet nicht damit identifizieren kann, tut es mir leid und gerne könnt ihr mir dann auch eure zusätzlichen Bräuche zusenden. Es wird in naher Zukunft auch an einer Auflistung besonderer Bräuche wie die Bach-na-fahrt in Schramberg oder auch das Narrengericht in Stockach gearbeitet.


6. Januar - Dreikönigstag

Am Tag der heiligen drei Könige beginnt traditionell die Fasnet. Es gibt natürlich auch hier zu Lande Zünfte, welche den Beginn mit dem 11.11. beginnen, dies sind jedoch Überreste aus dem 19. bzw. Anfang des 20. Jahrhunderts, als auch hier noch der Karneval weit verbreitet war.

 

Am 06.01. haben viele Orte eines gemeinsam. Das Narrenhäs wird aus dem Schrank geholt und für die kommende Zeit vorbereitet. Während in vielen Orten die Abstauber mit Frack von Haus zu Haus ziehen um die Larven (Schemen, Masken) vom Staub zu befreien, werden in manch anderen Orten die Peitschen und Karbatschen ausgepackt und auf der Straße lautstark die 5. Jahreszeit eingeläutet. Auch das restliche Narrenhäs oder die Schellen (Rollen, Glocken) werden in manchen Orten ebenfalls vom Staub befreit.

Direkt an diesen Tag angelehnt, gibt es häufig am ersten Wochenende danach oder direkt an diesem Tag die letzten Sitzungen bzw. Versammlungen der Narrenräte, um letzte Themen für die Fasnet zu besprechen oder der Bevölkerung die neuen Termine zu verkünden.

 

An den Wochenenden nach dem 06.01. werden dann bis zur Fasnet viele Narrentreffen, Umzüge und Brauchtumsabende veranstaltet, welche vor allem die letzten Jahrzehnte immer mehr an Beliebtheit gewonnen haben.


2. Februar - Lichtmess

An Lichtmess nehmen die Veranstaltungen der Fasnet deutlich zu. Genau 40 Tage nach Weihnachten beginnt ab diesem Tag in vielen Orten das Maschgern (Strählen, Schnurren, Hecheln, Aufsagen). Hier laufen je nach Ort maskierte oder auch unmaskiert verkleidete Gruppen durch die Straßen von Wirtshaus zu Wirtshaus um in unterhaltsamer Form über besondere Geschehnisse aus dem letzten Jahr zu berichten. Hier wird auch oft ein Narrenbuch mit selbst gemalten Bildern zur Unterstützung mitgeführt und auch kurze Lieder können hier vorgetragen werden.

 

Ebenfalls nehmen ab diesem Datum die Brauchtumsabende oder auch Zunftbälle deutlich zu. Auch wenn die Schwäbisch-Alemannische Fasnet eine Straßen- und Wirtshausfasnet ist, gehören solche Abende auch hier dazu.


Schmotziger Donnerstag

Der Tag, welcher den Beginn der Hauptfasnet einläutet, hat sehr viele Namen. Trotzdem versuche ich einmal, alle komplett zu benennen:

 

Schmotziger Dunschtich, Schmotziga Dorschdich, Schmotziger Dauschtich, Schmotziga Dauschteg, Dicker Donnerstag, Unsinniger Donnerstag, Gombiger Doschdig, Gombadonnerschdag, Gumpiger Dunschtig, Glombiger Doschdig, Lumpiger Donnerstag, Schmotziga, Schmutzige Donschtig, Schmutzige Dunschtig, Schmutziger Donnerstag, Feischte Dunschtig, Feiße Donschtig.

 

Egal wie ihr ihn nennt, bedeutet der Tag immer das gleiche. Schmotzig oder Schmutzig bedeutet auf Deutsch fettig, feiß (Schmotz/Schmutz = Fett). Dieser Name kommt daher, weil an diesem Tag das letzte mal geschlachtet wurde und sehr gerne Fettgebackenes gegessen wurde. Dazu gehörten gerne Fasnetsküchle oder Krapfen.

 

Gefeiert wird dieser Tag in den meisten Orten mit einem ähnlichen Tagesablauf:

Morgens bzw. Vormittags werden die Schüler und/oder Kindergartenkinder aus der Schule/dem Kindergarten von der örtlichen Zunft befreit. Ab jetzt beginnen die Ferien, welche meist bis zum Aschermittwoch gehen. Von da an geht es oft in einem kleinen Umzug weiter zum Rathaus.

 

Der Rathaussturm bzw. die Bürgermeisterabsetzung findet ebenfalls traditionell an diesem Tag statt. Hier wird das Rathaus von den Narren gestürmt und symbolisch der Schlüssel zum Rathaus an die Zunft übergeben. Ab jetzt haben die Narren die Oberhand bis am Abend des Fasnetsdienstag die Fasnet endet und die Normalität zurück kehrt.

 

Die weitere Gestaltung des Tages hängt nun von der Zunft selbst ab. Zum Teil wird an dem Tag auch der Narrenbaum aufgestellt, Hexentänze oder ähnliches vorgeführt, Umzüge durch den Ort veranstaltet oder auch einfach im Zuge der Straßenfasnet auf den Straßen oder in den Wirtshäusern gemeinsam gefeiert. Auch Hemdglonkerumzüge dürfen in manchen Orten nicht fehlen.


Fasnetsfreitag - Rußiger Freitag

Der Fasnetsfreitag ist eher ruhiger und in vielen Orten wird hier nichts veranstaltet. Der Tag wird auch Rußiger Freitag genannt, da damals die Narren an diesem Tag versucht haben, den Leuten Ruß ins Gesicht zu schmieren. Dieser Brauch ist aber inzwischen sehr selten geworden und dazu nicht mehr zwingend am Freitag, sondern auch öfter am Donnerstag davor.

 

An diesem Tag wird sehr oft etwas für die Kinder und Senioren organisiert. Hier besuchen Zünfte unter anderem Seniorenheime, Behindertenwerkstätte oder organisieren meist in der örtlichen Halle eine Kinderfasnet. Eher selten sind an diesem Tag kleine Umzüge zu finden.


Fasnetssamstag - Schmalziger Samstag

Den Begriff Schmalziger Samstag kennt heute wohl kaum noch jemand. Da aber damals zur Fastenzeit auch Eier und Milchprodukte verboten waren, wurden an diesem Tag unter anderem schmalzgebackene Küchle und Schmalznudeln zubereitet.

 

Heute wird an diesem Tag sehr oft der örtliche Zunftball ausgetragen. Auch Umzüge oder Kinderfasnet wird je nach Ort an diesem Tag gefeiert.


Fasnetssonntag

Am Sonntag ist es ähnlich wie am Samstag. Hier unterscheidet sich jeweils der örtliche Ablauf. So gibt es ebenfalls an diesem Tag vereinzelt Kinderfasnet, Zunftbälle oder auch Umzüge.


Fasnetsmontag - Rosenmontag

Der Fasnetsmontag ist wie beim Karneval auch hier sehr häufig einer der wichtigsten Tage der Fasnet. Viele örtliche Umzüge werden hier veranstaltet. Kleinere Zünfte, welche nur wenige Mitglieder haben oder auch neue Zünfte ohne eine eigene örtliche Fasnet sind an diesem Tag auch gerne in anderen Orten unterwegs und feiern auch an diesem Tag mit befreundeten Zünften zusammen. Abends wird an diesem Tag gerne bis spät in die Nacht zusammen gefeiert.


Fasnetsdienstag - Veilchendienstag

Auch an diesem Tag werden noch einmal viele örtliche und auch Regionale Umzüge ausgetragen, gleichzeitig stellt er aber auch den letzten Tag der Fasnet dar. So wird in den meisten Orten spätestens um 24:00 Uhr die Fasnet entweder verbrannt, vergraben oder es gibt einen Trauermarsch durch den Ort. Nur wenige Zünfte machen dies erst am Aschermittwoch. Spätestens jetzt heißt es wieder "Die Fasnet hat a Loch" und das Häs wird wieder sorgfältig im Schrank verstaut.


Aschermittwoch

Mit dem Aschermittwoch beginnt nun die Fastenzeit. Nachdem die Fasnet nun vorbei ist, trifft man sich an diesem Tag gerne zur Geldbeutelwäsche oder zum gemeinsamen Heringessen. Die Geldbeutelwäsche wird unter Trauer, weil die Fasnet zu Ende ist, mit lautem Geheule vollzogen. Nach einem alten Brauch nutze man die Gelegenheit, da die Geldbeutel sowieso schon leer waren, um diese zu waschen und um neues Geld hinein zu spülen.


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